Das erste Objekt  ( oder: wie alles begann. . . )

 

Mitte der 70er kam der legendäre Zauberwürfel „Rubik’s Cube“ auf den Markt. Zu der Zeit begann ich auch zu zaubern. Der Würfel interessierte mich, wie fast jedermann damals. Nicht zuletzt aber auch deswegen, weil es bald schon tricktechnische Lösungen gab, den Würfel sozusagen ‚zauberhaft’ zu ordnen. Es lag also auch eine Verknüpfung der Interessensgebiete vor.

 

Sporadischer Anfang einer Sammlung

 

Weitere Objekte der Marke Rubik (Uhr, Ringe, Schlange, Vorhängeschloss etc.) habe ich mir sporadisch zugelegt, so wie ich sie in irgendwelchen Spielwarenläden sah. Dass es schon damals eine rege „Puzzlegemeinde“ gab, nicht zuletzt auf der Basis des osteuropäischen und asiatischen Spielzeugmarktes, ist leider völlig an mir vorbei gegangen. Sehr zu meinem jetzigen Bedauern, da ich viele Dinge, die nicht mehr auf dem Markt sind heute teuer nachkaufen muss. Von der Sucherei, wo es überhaupt noch was zu finden gibt, mal ganz abgesehen.

 

Langsamer, aber stetiger Aufbau der Sammlung

 

Wenn man etwas sammelt, freut sich die Familie – und die Freunde. Weiß man doch immer, was man dem Sammler zu diversen Fest- und Feiertagen schenken kann. So kamen zu den Rubiks Sachen, die aus Kunststoff sind: Holzwürfel, -tonnen, -pyramiden u. ä. zum Auseinandernehmen und Zusammensetzen. Chinesische Legespiele, sogenanntes Tangram – unter anderem eines von der Bochumer Sparkasse aus den 50er oder 60er Jahren, nach dessen Aufdruck geduldiges Sparen noch zu Reichtum führen kann... Auch dabei Kistchen voller verbogener Nägel zum Entknoten, so genannte Vexiere. Nicht zu vergessen natürlich ‚Fachbücher: angefangen von Lösungsbüchern für den Zauberwürfel, über „1000 knifflige Knobeleien“ bis hin zu wunderschönen Bildbänden mit Sammlungen aus aller Welt.

 

Die Sammlung bekommt ein festes Zuhause

 

Im Jahr 1999 waren die Umbauarbeiten im Kulturmagazin soweit abgeschlossen, dass der endgültige Ausdehnungsbereich des ZAUBERKASTENS und seines Foyers feststand. Es wurden Vitrinen und Regale gekauft bzw. gebaut, die Geduldspiele eingeräumt, ein Vortrag über die Geschichte der Geduldspiele ausgearbeitet und am 2. 11. 1999 war es dann soweit: unter großer Anteilnahme von Vertretern der Stadt Bochum und des Ortsteils, des Schulamtes und der Presse wurde das PUZZLEUM, das erste deutsche Puzzlemuseum eröffnet.

 

Fünf  Jahre Puzzlemuseum

 

Viel ist passiert in den ersten fünf Jahren. Die Sammlung ist auf mehr als 650 unterschiedliche Objekte angewachsen und der Platz in den vorhandenen Vitrinen wird langsam knapp. . . Es sind Kontakte zu Sammlern überall auf der Welt entstanden und im Jahr 2003 wurden wir zu einem ‚Insidertreffen’, dem „Magic Cube Day“ in die Niederlande eingeladen. Spielemessen, Flohmärkte und das Internetforum e-Bay sind regelmäßigen Anlaufpunkte zur Komplettierung der Sammlung.

 

Heute

 

Zur Zeit gibt es allerdings schon etwa 900 verschiedene Objekte.

 

Puzzlemuseum und Publikum

 

Um es gleich zu sagen - eine Vorstellung, die hinter der Eröffnung des PUZZLEUMs stand, hat sich (noch) nicht erfüllt: jede Woche zwei bis drei Besuchergruppen zu haben, die ein paar Stunden in einem lebendigen Museum verbringen, in dem man nicht nur viele interessante Sachen sehen kann, sondern auch „selbst was in die Hand nehmen“ kann und ausprobieren. Zwar waren wir immer wieder mal Ausflugsziel für Besuchergruppen, angefangen von älteren Kindern (denn obwohl es im deutschen Geduldspiele heißt, liegen allen Objekten technische Gedanken und Probleme zugrunde, die mit Spielzeug nichts zu tun haben) bis hin zu Seniorengruppen. Besucher des ZAUBERKASTENS bei den regelmäßigen Programmen spielen und staunen gerne und immer wieder vor und nach den Veranstaltungen. Aber das Puzzlemuseum kann wesentlich mehr.

 

Ein Besuch im Puzzlemuseum

 

Physikunterricht noch nie so lebendig und spannend war, wie bei diesem Museumsbesuch.

Zum Schluss heißt es dann: selbst ist der Besucher! Die einen versuchen sich an den ausliegenden Geduldspielen mit mehr oder weniger Erfolg. Andere haben sich einen der berüchtigten „Zauberwürfel“ geschnappt und versuchen, anhand von bebilderten Vorlagen einer Lösung nahe zu kommen. Der Rest ist mit einem regelrechten Wettstreit beschäftigt: jeder hat die gleiche Art und Anzahl von Bausteinen und versucht, daraus eine Pyramide zu basteln. Auf die Plätze – fertig – und los!

Nebenbei erfährt man, dass diese Pyramide eine dreieckige Grundfläche hat und deshalb Tetraeder heißt. Schon wieder was gelernt, ohne dass es weh

Die Gruppe, Größe wenn möglich ab 10 Personen, im Alter ab 9 Jahre trifft zum vereinbarten Zeitpunkt – gern auch in den Vormittagsstunden – im Museum ein. Zuerst gibt es eine kleine Einführung in die Geschichte der Puzzle und Geduldspiele. Man erfährt z. B., dass es Geduldspiele schon im ‚alten China’ gab. Wertvolle Stücke aus Elfenbein waren beliebter Zeitvertreib für die ‚feinen Damen’ bei Hof. Dieser Zeitvertreib mit Geduldspielen zog sich durch alle Jahrhunderte und alle Kulturkreise. Man erfährt, dass der berühmteste Puzzellöser der Antike Alexander der Große mit dem Gordischen Knoten war. . . und merkt spätestens bei dem Versuch, verschieden große Holzklötze in eine vorgegebene Kiste zu packen, dass diese Geduldspiele einen durchaus ernsten Hintergrund haben: genauso könnte ein Hafenmeister vor ein paar unterschiedlichen Containern stehen, die in einen vorhandenen Schiffsladeraum passen müssen!

Danach wandert die Gruppe von Vitrine zu Vitrine, um sich erklären zu lassen, was es mit den einzelnen Ausstellungsstücken so auf sich hat. Dabei werden die Vitrinen auch geöffnet und einzelne Stücke zum „Praxistest“ herausgenommen. So zum Beispiel eine verkorkte Flasche, auf deren Boden eine Holzkugel liegt. Darauf steht ein Holzstab mit gleichem Durchmesser. Die Aufgabe ist, die Kugel an dem Stab vorbei zum Korken zu bringen. Die Schwierigkeit ist, dass der Stab beim Kippen der Flasche immer schneller im Flaschenhals ist, als die Kugel.

Und die Lösung? Die Flasche wird auf den Boden gelegt und wie beim Flaschendrehen herumgewirbelt. Dadurch fliegt der Stab in eine Richtung und die Kugel in die andere. Der „Trick“ heißt Fliehkraft und die Gruppe ist sich einig, dass

tut. . .

 

Zum Schluss bekommt noch jeder ein Puzzle in Form eines Bastelbogens für zuhause mit auf den Weg und man ist sich einig:

 

In diesem Museum hätte man noch Tage verbringen können. . .